Projekt Magdeburg
Leben an und mit der Elbe
Magdeburg will als Stadt am Strom neues Profil gewinnen und erobert sich die Elbe als Kultur- und Naturraum zurück. An drei exemplarischen Schauplätzen zeigt die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt im Rahmen der IBA Stadtumbau 2010, wie die Elbe und ihre Ufer als Stadt- und Landschaftsraum zurückgewonnen werden. War der Fluss bisher in vielen Bereichen kaum zugänglich, weil seine Ufer mit Industrie-, Eisenbahn- und Hafenanlagen zugebaut waren, ist er nun ein wichtiger Bezugspunkt für die Stadtentwicklung.
In der Mitte wird die Stadt wieder an die Elbe herangeführt, im Süden stehen die Renaturierung von Industriebrachen des ehemaligen Schwermaschinenbaus und die Aufwertung alter Ortskerne im Vordergrund, im Norden werden die städtischen Nutzungen verdichtet und zukunfts- und wissenschaftsorientierte Unternehmen angesiedelt. Im Dialog mit dem Fluss, mit wohldosierten Maßnahmen, die dem Bevölkerungsverlust und den wirtschaftlichen Problemen angepasst sind, und mit einem kreativen Flächenmanagement, das die zentralen Herausforderungen des Stadtumbaus aufgreift, wertet Magdeburg seinen Stadtraum an der Elbe auf.
Bis zum Start der IBA-Projekte stand neben wohnungswirtschaftlichen Fragen vor allem die Zukunft der Altstadt im Mittelpunkt städtebaulicher Überlegungen. Während des Zweiten Weltkriegs war Magdeburg wegen seiner für die Rüstung wichtigen Industriebetriebe schweren Luftangriffen der Alliierten ausgesetzt gewesen. 1945 zeigte sich die Altstadt zu etwa 90 Prozent zerstört. Der Wiederaufbau folgte den wechselnden Leitbildern des Städtebaus in der DDR. Die kulturhistorisch wichtigsten Bauten wie der Magdeburger Dom, das Kloster Unser Lieben Frauen und das Rathaus wurden wieder aufgebaut und einige Abschnitte des Elbufers im Zentrum zu öffentlichen Freianlagen umgestaltet. In den 1990er Jahren war das gründerzeitlich geprägte südliche Stadtzentrum einschließlich des Doms und Domplatzes sowie des Klosters Unser Lieben Frauen ein Schwerpunkt der Innenstadtentwicklung. Bereits 1991 beschloss der Stadtrat dafür eine Erhaltungssatzung, die nach späteren Erweiterungen nun für ein Fünftel der Altstadt gilt.
Im Rahmen der IBA wurde die Altstadt stärker zum Fluss hin geöffnet. Das Gelände des Elbbahnhofs, eines ehemaligen Güterbahnhofs, wurde für neue städtebauliche Entwicklungen infrastrukturell erschlossen. Auf dem lange brachgelegenen Areal im südlichen Stadtzentrum entstanden neue Straßen und ein Stadtplatz, der Bewohner und Besucher auf der Elbuferpromenade zum Verweilen einlädt. Hier wurde das Kunstwerk „Der Zeitzähler“ von Gloria Friedmann installiert, das im Rahmen des vom Kunstmuseum Magdeburg 2006/08 durchgeführten Kunstprojekts „DIE ELBE [in] between“, einem Korrespondenzprojekt der IBA Stadtumbau 2010, entstanden ist. Ebenfalls als Ergebnis dieses Kunstprojekts wurde 2008 an der nahe gelegenen Eisenbahnhubbrücke eine Neonskulptur von Maurizio Nannucci realisiert: In den Abendstunden erscheint an beiden Seiten der Brücke die Leuchtschrift „Von so weit her bis hier hin – von hier aus noch viel weiter“. 2009 hat der Stadtplatz als besonderes Gestaltungselement einen Elbbalkon erhalten, der 3,40 Meter über die Ufermauer der Elbe auskragt.
Außerdem erfolgte im Zuge der IBA die Wiederherrichtung von Teilen der ehemaligen Festungsanlagen – im 18. Jahrhundert war Magdeburg zur stärksten preußischen Festung ausgebaut worden. Die Lukasklause wurde zum Guericke-Zentrum umgebaut und wird für Ausstellungen, Bildungsangebote und als Veranstaltungsort genutzt. Außerdem ist die Anlage Kavalier Scharnhorst in Grundzügen noch erhalten, auch wenn die Gräben in den 1920er Jahren verfüllt worden sind. Um die Identifikation der Magdeburger mit ihrer Stadt und deren Historie zu fördern und Besucher auf die Besonderheiten der Stadt aufmerksam zu machen, hat man die diese Festungsanlage am Sternbrückendamm in Teilbereichen wieder freigelegt, sodass der gut erhaltene obere Teil der inneren Festungsmauer sichtbar ist. Als Korrespondenzprojekt zur IBA Stadtumbau 2010 wurde zwischen 2005 und 2008 im Umfeld des Doms die Bastion Cleve freigelegt und für Veranstaltungen hergerichtet.
Unter der Überschrift „Weniger Stadt – mehr Landschaft“ bildet der Magdeburger Südosten einen weiteren Schwerpunkt der IBA-Aktivitäten. Der traditionsreiche Schwermaschinenbau im Süden der Stadt hatte in den 1990er Jahren einen dramatischen Niedergang erlebt. Große Verkehrsinfrastrukturprojekte wie der Bau der Autobahn A 14 und des Magdeburger Kreuzes mit der A 2 im Jahr 2000, der Ausbau des Wasserstraßenkreuzes Elbe-Mittellandkanal (2003) und der Hafenanlagen in Rothensee führten zudem zur Verschiebung des wirtschaftlichen Schwerpunkts nach Norden. Im Südosten entstand deshalb eine sehr heterogene Stadtlandschaft aus Industriebrachen, gewerblichen und industriellen Nutzungen auf Teilflächen sowie Wohnsiedlungen und historischen Ortskernen. Ziel der IBA-Anstrengungen war es hier, die nicht mehr genutzten Areale zu renaturieren und die Verbindungen zur Elbe zu stärken, um die Siedlungskerne aufzuwerten. Voraussetzung dafür ist ein intelligentes Flächenmanagement, das auch Aspekte des Denkmalschutzes, der Altlastensanierung und des Bodenrichtwerts berücksichtigt. Da die privaten Eigentümer außer einer – angesichts der fehlenden Nachfrage schwierigen – Vermarktung oft wenig Interesse an ihren Flächen haben, gestaltet sich die Aufwertung dieser Areale jedoch als sehr problematisch, zumal die Stadt Magdeburg nicht in der Lage ist, für den Kauf und die Aufbereitung der Brachen finanziell in Vorleistung zu treten. Selbst Zwischennutzungen lassen sich sehr schwer umsetzen. Einzelprojekte wie das Lesezeichen Salbke, eine Bürgerbibliothek, und die Neunutzung des Geländes am Wasserturm Salbke zeigen jedoch, dass mit starkem bürgerschaftlichem Engagement Erfolge erzielt werden können.
Während im Süden mehr Landschaft entstehen soll, geht es im Norden, im Bereich des alten Handelshafens und in den angrenzenden Gebieten der Alten Neustadt, um „mehr Stadt“, also eine Verdichtung der urbanen Nutzungen. Nachdem die Hafennutzung weitgehend aufgegeben worden ist, bildet das fast 1000 Meter lange Hafenbecken nun das Zentrum des „Wissenschaftshafens“. In einem ehemaligen Speichergebäude ist seit 2007 die „Denkfabrik“ untergebracht, südlich davon hat das Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung der Fraunhofer-Gesellschaft neu gebaut. An der Elbe errichtet zudem ein privater Investor ein neues Forschungs- und Bürogebäude. Allerdings befinden sich im Hafenareal noch einige Logistikunternehmen sowie eine Asphaltmischanlage, die im Zuge der Entwicklung zu einem Wissenschaftsstandort noch verlagert werden müssen. Zur weiteren Qualifizierung soll der Wissenschaftshafen mit dem Campus der nahe gelegenen Otto-von-Guericke-Universität und dem Max-Planck-Institut städtebaulich verbunden werden. Dazu hat Magdeburg einen internationalen Architektenwettbewerb ausgeschrieben, aus dem im Januar 2010 der Entwurf von SMAQ Architekten/Berlin als Sieger hervorging. Er fasst die heterogenen Strukturen geschickt in vier unterschiedliche Gebiete zusammen und integriert sie in das bestehende Straßennetz. Außerdem bietet der Entwurf vielfältige Nutzungen in den einzelnen Quartieren und überzeugte durch den sorgsamen Umgang mit den Bestandsgebäuden.
Ingrid Reuter, 2010
Präsentation 2010 in Magdeburg
Ausstellung
Magdeburg präsentierte sein IBA-Thema in einer Ausstellung im IBA-Shop, Regierungsstraße 37. Die Ausstellung ist beendet.
Gestaltung: anschlaege.de, Berlin
Weitere Magdeburg-Bilder
Info: Magdeburg
- Einwohner
(auf dem Gebietsstand von 2010)
1989: 290.152
2009: 229.672
2025: 208.272 (Prognose)
- Fläche: 200,97 qkm
- IBA-Stadt-Monitor
- www.magdeburg.de
- IBA-Website von Magdeburg




















